Blutspenden ist raus.

Vor 12, 13 Jahren wollte ich mal Blut spenden gehen. Durfte ich aber nicht. Wurde gleich wieder weggeschickt, weil ich damals die obligatorische 50kg-Marke nicht geknackt hatte (mit gerade mal gut anderthalb Metern Körperlänge ist diese Marke nicht so weit weg von aller Logik wie für größere Menschen). Dann kamen die Kinder, die Stillzeiten,.. Immer wieder Ausschlusskriterien. Alles inzwischen lange vorbei, Gewichtsschallgrenze denn doch auch nach oben durchbrochen. Diesen Frühling wollte ich dann nun endlich, endlich spenden – aber da war noch Heuschnupfenzeit, Ceterizin-Behandlung, wiederum Ausschlusskriterium. Und heute? Ich hab’s probiert. Ich war im Krankenhaus „umme Ecke“ – in diesem ist Spenden jedoch nicht möglich. Wurde von dort weiter geschickt zum Blutspendezentrum an der Landsberger Allee. Radelte von Pankow aus also schnell hinüber und wurde von den netten Mitarbeiterinnen auch gleich wirklich freundlich begrüßt. Musste zunächst nach meinem Personalausweis meine Arme vorzeigen. Da zogen die netten Schwestern schon leicht zweifelnd die Augenbrauen hoch. Links fanden sie dann doch noch eine Ader, die gegebenenfalls geeignet hätte sein können. Nach einer guten Viertelstunde Papierkram, Sträflingsfoto, Ausweis-Scan,… ein Pieks in den Finger. Kleines Blutbild. Dann Blutdruck messen. Uuups. Beim ersten Versuch fand mich das Gerät nicht. Beim zweiten maß es irgendwas um die 70 zu 91. Beim dritten Mal zu 93. „Wieviel haben Sie heute schon getrunken?“ „Einen Kaffee, zwei große Gläser Wasser und eben extra noch ’ne Flasche Saft, weil ich ja Blut spenden..“ „Okay. Sie trinken also Kaffee? Hier, holense sich mal einen mit dem Chip. Da vorne am Automaten. Blutspenden geht erst mit ’nem Wert ab 100.“

Kaffee also. Hab ich schon mal verordnet bekommen, in der Schwangerschaft mit Kind Nummer 2, statt Medikamenten. Trink ich seitdem gerne und glaubte daher nicht, dass ein kleiner popeliger Automatenkaffee mich aus der Reserve locken können sollte. Aber mal sehen.

Nach dem Kaffee und 10 Minuten Wartezeit schaffte ich es blutdruckseitig auf schlappe 95. Fühlte mich dabei auch sehr entspannt. Der zuständige Arzt nahm mich dann, als ich eigentlich eh gehen wollte, weil ja klar war, dass das nun nichts werden würde, trotzdem noch mit in sein Sprechzimmer. „Sie wollen also Blut spenden? Heute wird das nichts, zu niedriger Blutdruck.“ „Tja, nicht so schlimm. War ein Versuch. Das mit dem Blutdruck wusste ich nicht, der ist bei mir immer so.“

So wollte er mich aber nicht ziehen lassen, wollte noch einmal alle Für- und Wider-Argumente durchgehen und schauen, ob ich ggf. in Kürze spenden dürfe. Wir ratterten also den ganzen Patientenbogen noch mal durch, er empfahl hier, überlegte da, „vielleicht Ihre Erkältung von vor 2 Wochen, .. Sie sind eben eine kleine, zierliche, hypotone Person… Versicherungsseitig sowieso verboten… Abgesehen davon: Das Risiko, dass Sie kollabieren, ist faktisch einfach zu hoch… und Sie kippen dann um, hauen sich irgendwo die Stirn auf und haben Gehirnblutungen, dann haben wir ja nichts geko?nt… Dann sind Sie noch ein Versicherungsfall… “ Währenddessen kramte eine freundlich lächelnde Krankenschwester in dem Raum herum, öffnete hier ein Schränkchen, wischte da über die Liege. Gerade, als er empfehlen wollte, ich könne ja eventuell in 2 bis 3 Wochen noch einmal wiederkommen, vielleicht sei dann der Blutdruck ja höher, unterbrach sie den Arzt. Fuchtelte mit einer Liste, die sie links unten aus der Schreibtischschublade geholt hatte, und erklärte mit russischem Akzent: Mit einer Körpergröße von 154cm müsse ich gemäß irgendwelcher Richtlinien und Vorgaben, die auf ihrem schlauen Versicherungsblatt standen, überhaupt in jedem Falle nicht mindestens 50, sondern mindestens 61 Kilo wiegen, um zum Blutspenden zugelassen zu werden. Weil sonst die Flüssigkeitsmenge in meinem Körper nicht stimmen würde, da könnten sie keine 500ml abzapfen oder so.

Tja: 61 Kilo, so viel wog ich hochschwanger mal, im normalen Leben bin ich da ein ganzes Stück von weg (und sicherlich trotzdem kein zerbrechlicher Strich in der Landschaft). Scheint mir zwar ein bisschen unlogisch – wieso sollte ich signifikant mehr Blutmenge im Körper haben, wenn ich etwas fetter wäre?, aber egal, damit steht jedenfalls fest: Es soll wohl einfach nicht sein mit mir und dem Blutspenden. Oder wie es der Arzt zum Abschied formulierte: „Wir haben gesehen: Ihr kleines Blutbild war soweit super. Der Wille war da. Aber Sie retten die Welt trotzdem besser anders.Viel Erfolg!“

3 Gedanken zu „Blutspenden ist raus.“

  1. Das mit dem Umkippen ist einer Freundin mal passiert. Naja, sie war jung und übermütig … Statt sich nach der Spende hinzulegen, setzte sie sich auf einen Tisch, dann wurde sie ohnmächtig und fiel auf den Boden. Das Ergebnis war ein Jochbeinbruch, also stationärer Aufenthalt, Gesichtsoperation (Ergebnisse angstvoll erwartet, alles gut).

  2. Strange… dann könnte ich sicher auch nicht spenden… merkwürdig. Aber den Abschiedspruch vom Doc („Aber Sie retten die Welt trotzdem besser anders. Viel Erfolg!“) find ich ja schon wieder cool! 😉

  3. Liebe Manu!

    Wenn Du so gerne spenden möchtest, dann versuch Dein Glück doch noch einmal bei einem Blutspendebus. Termin unter http://www.drk-blutspende.de. Im Internet habe ich nämlich folgenden Satz gefunden: „Über eine Zulassung zur Blutspende entscheidet ausschließlich der Spendearzt!“ Vielleicht entscheidet der nächste Arzt ja anders.

    Ich habe vor den Kids regelmäßig im Bus gespendet. Zur Anregung des Blutdrucks gabs immer Traubenzuckerlösung, nie Kaffee! Und die Omchens, die einen da hinterher mit Brötchen und Saft betuttelten, waren einfach klasse. Die haben wie die Luchse aufgepaßt, daß keiner umkippt.

    Und danke für Deine Anregung. Ich werde jetzt auch wieder mit dem Spenden anfangen.

    Lg, Katja

    PS: Gewichtsgrenze sind lt. DRK-Internetseite 50 kg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *