Achtes Türchen: Schallplattenschalen

In Berlin könnt ihr momentan auf so ziemlich jedem Flohmarkt Schallplattenkitsch kaufen. Nicht als Platte (doch, auch das, natürlich), sondern verformt. Dabei lässt sich dies viel kostengünstiger und relativ simpel selbst machen – hab ich von einem echten Troll lernen dürfen, glaubt es oder nicht. Stinkt erstaunlicherweise auch nicht, wenn das Vinyl heiß wird (das war für mich vorher durchaus eine Sorge). Also ran an Omas alte Plattensammlung und los geht’s.

Ihr braucht: Backofen, Schallplatten, ggf. Holzbrettchen, feuerfeste Vase o.ä., evtl. Ofenhandschuhe o. Topflappen (geht auch ohne), SchüsselBackofen vorheizen, je nach gewünschtem Ergebnis auf irgendwas zwischen 100 und 200 Grad Celsius – ist ein bisschen wunschergebnis- und gefühlsabhängig (siehe Schlussnotiz). Eine Vase o.ä. in den Backofen stellen. Eine Schallplatte darauflegen. Abwarten und beobachten: Die Platte wird logischerweise rasch warm, dann heiß. JETZT ist der Moment, sie rauszuholen und noch weich in Form zu biegen – ggf. mit Hilfe einer Schüssel o.ä. Vorsicht, verbrennt euch nicht die Finger! Der Moment des Rausholens und Biegens erfordert anfangs einiges Ausprobieren, es ist nicht ganz schlecht, einige Übeplatten bereit zu halten…

Ihr habt den Moment verpasst, die Platte hängt schon heiß und schlaff auf der Vase? Dann nehmt einfach die Vase mit der „drangebappten“ Platte raus; mit dem Abkühlen der Form lässt sich das Material dann lösen (wenn eure Vase nach unten schmaler wird, solltet ihr natürlich die Platte während des Abkühlprozesses nach außen weiten, sonst klappt das nicht…). Außer Schüsseln klappen z.B. auch Buchstützen: Platte heiß rausnehmen, ganz schnell unterhalb des Papierrings mit Hilfe eines Holzbrettchens z.B. über den Rand der Küchenarbeitsplatte biegen. Wer auf der Hälfte biegt und im oberen Bereich noch in heißem Zustand(!) schnell(!) ein Loch einstanzt, erhält ein kleines Regal…

Wer’s lieber ohne Heißmachen mag, kann sich auch ein Uhrwerk besorgen und dieses von hinten durch das Plattenloch bauen. Alles nicht so schwer. Und angeblich voll im Trend. Was meiner Erfahrung nach nicht so gut funktioniert (ihr könnt die Technik natürlich perfektionieren und hier dann Tipps in die Comments posten..!): Einschneiden. Weder mit Sanischere noch mit Cutter ergaben sich beim 1x-Text zufriedenstellende Ergebnisse, beim Auskühlen wirds entweder ungleichmäßig oder brüchig. Na ja.

Schlussnotiz zu den Aufheiztemperaturen: Wenn’s heißer ist, wellt sich das Vinyl am äußeren Rand noch mal in sich ein und wird „muscheliger“, dafür gehts schneller; wenn ihr nicht so hochheizt, wärmt die Platte in sich gleichmäßiger auf und lässt sich dann rundherum mehr biegen. Müsst ihr probieren. Ach so, das Ergebnis ist übrigens auch vom Ausgangsmatgerial abhängig: Vor dieser lustigen Bastelei war mir gar nicht so bewusst, dass Schallplatten durchaus unterschiedlich dick sind – und abhängig von der Materialstärke ist dann wiederum das Ergebnis.

1 Gedanke zu „Achtes Türchen: Schallplattenschalen“

  1. Ich habe es vor einiger Zeit einmal im Fernsehen gesehen und wollte es nun auch einmal probieren. Auf der Suche nach einer Anleitung bin ich hier gelandet – Morgen wird getestet (Hoffentlich brennt nichts an :-))

    Danke für den Tipp!

    Grüße

    Michael

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *